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Änderungen vorbehalten

von Lea Keiper und Nora Frings (Jahrgansstufe 11)


„... es geht um alles oder nichts!“ Mit diesen Worten begann am Dienstag, den 19.07.11, der Poetry Slam unseres Deutsch-Grundkurses unter Leitung von Frau Dr. Kurzrock zum Thema „Leben in der Stadt“.

Dies war das Startsignal für Anna R., unserer ersten Slammerin, die einen Text von ihrer Mitschülerin Anna W. vortrug. Als erste hatte sie es natürlich nicht leicht, aber sie legte trotzdem einen guten Start hin. Mit Sätzen wie „Meine Stadt stillt meinen Hunger nach Events“ und „Ich genieße auch die stadttypische Anonymität. Frei von Verantwortung...Es stimmt schon, dass verletzten Autos hier schneller geholfen wird als Menschen.“ vermittelte sie das Bild eines facettenreichen Stadtlebens.

Der Begriff Poetry-Slam kommt aus dem angelsächsischen Raum und bedeutet übersetzt so viel wie „Dichterschlacht“. Anders als auf üblichen Dichterlesungen handelt es sich beim Poetry Slam daher um einen Wettbewerb vor Publikum, in dem es jedermanns Ziel ist, den Titel ‚Bester Slammer‘ zu erkämpfen. Der Vortragsweise sind dabei keine Grenzen gesetzt; von wilder Gestik über groteske Mimik, Rap oder Geschrei ist alles erlaubt.

Als zweites trug Frida L. ihr Gedicht „ Wieder und wieder“ vor, das sie zusam-men mit Franca V. verfasst hatte. Hierin ging es vor allem um die Verschmutzung in Städten, aber auch um Kritik an der Gesellschaft, was vor allem durch folgende Sätze deutlich wurde: „Neben dem Dom befindet sich ein kleines Häuschen. Das Toilettenhäuschen. Dort gehen die Passanten fast genauso häufig ein und aus wie in der Kathedrale. Und sie tun das, was die Menschen am besten können, sie verschmutzen und versiffen.“

Gefolgt wurde Fridas Auftritt von Julian L., der vor allem der Frage nachging, ob das Leben in der Stadt wirklich so positiv ist, wie viele es sich ausmalen. Kritikpunkte waren sowohl die Anonymität, der man in der Stadt ausgesetzt ist, aber auch die Unnatürlichkeit dieses Lebensraums. „Leben in völliger Anonymität und Einsamkeit, blind und taub für die gegenseitigen Probleme und Bedürfnisse.“, „Man möchte nichts verpassen und verpasst doch alles Grundsätzliche und Wichtige. Das wirkliche Leben ist schon längst tot, unsere Wege sind festgefahren wie Straßenbahnschienen. Kleine Weichenänderungen sind möglich, aber im Endeffekt führen alle Wege zur Bedeutungslosigkeit.“ waren einschlägige und zum Nachdenken anregende Zeilen. Die Lösung, wie man den benannten Problemen entgehen kann, wurde gleich mitgeliefert, denn die lautete ganz einfach: „Ich habe die Stadt satt, ziehe auf‘s Land und werde Bauer“. 

Einen wiederum ganz anderen Schwerpunkt setzte Anna R. mit ihrem selbst geschriebenem Gedicht, in dem eine fiktive weibliche Person zuerst den Eindruck vermittelt, das Leben in der Stadt als rund um schön zu erleben. Allerdings kommen ihr immer mehr Zweifel an der Schönheit des Stadtlebens, wie zum Beispiel das Leben mit der Angst, ihr Mann könnte in einen Puff gehen oder im Knast landen wegen nichtiger Schlägereien in der Bar. So provozierte sie mit Zeilen wie „ Er könnte auch in den Knast gehen - nur weil er aus war - in irgendeiner Bar - (und nur) weil er so ‘nen Typen gehauen hat - ihn zerknüllt hat wie ein Blatt - Oh er wird in den Knast gehen - Das Leben in der Stadt ist SCHÖN?“.

Der letzte Slammer war Joshua W. In seinem Gedicht griff er auf humorvolle Art positive und negative Aspekte des Stadtlebens auf, betont durch eine beinahe gerappte Vortragsform. Deutlich wurde auch die Verbundenheit, die die Menschen gegenüber der Stadt empfinden, trotz widriger Umstände wie Lärm und Schmutz. Sätze wie „Natur heißt jetzt Tauben und Schimmel in den Ecken“, „Um mal dem Dreck auf‘m Boden zu entfliehen brauchst du ‘ne lange Leiter, doch auch dann siehst du die Sonne nicht, denn die Hochhäuser wachsen heiter“ und „Doch denk ich zurück ans Feiern, die Freunde und den ganzen Heck-Meck, dann vermisse ich die Stadt schon, denn auch sie erfüllt ihren Zweck man“ vermittelten die Aussage des Gedichts auf unterhaltsame Weise.

 

Die Gedichte kamen alle sehr positiv an, dem interessierten Getuschel‚ Gelächter, Schmunzeln und Beifällen nach zu schließen. Die positiven Reaktionen spiegelten sich auch in den Bewertungen der dreiköpfigen Jury wider, die bei der Punktevergabe Kriterien wie Qualität des Textes und Vortrags bewerteten. Alle Slammer erreichten dabei mindestens 16 von 36 möglichen Punkten.

Für gute Stimmung zwischen den einzelnen Vorträgen und auch bei der Siegerehrung sorgten unsere zwei Moderatoren, Karl H. und Luca T. Überreicht wurden die Preise von Mitschülern der Organisationsgruppe, die für eben solche Aufgaben wie das Auswählen und Beschaffen von Sachpreisen verantwortlich war.

 

Gewinner des Poetry Slams wurde Joshua, der mit einer beachtlichen Punkt-zahl von 35, wie Karl es ausdrückte, Poetry Slam-Geschichte schrieb. „Ich fühle mich groß. Ich fühle mich gut!“, verkündete Joshua, nachdem er für diese Leistung einen Kalender überreicht bekommen hatte. Zweite wurde Anna R., dritter Julian und vierte Frida, die sich ein knappes Kopf-an-Kopf-Rennen lieferten.

 

Insgesamt war der Poetry Slam ein ganzer Erfolg, und sowohl von Lehrer- als auch Schülerseite kam der Vorschlag, den Wettbewerb im kommenden Schuljahr eventuell auf Jahrgangsstufenbasis auszuweiten, da auch andere Kurse schon Interesse an einem solchen Projekt geäußert hatten.


Clip zum Poetry Slam „Leben in der Stadt“: