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Klassiker der Weltwirtschaftskrise neu entdeckt

VON ANTON VOGT

Der von Hans Fallada geschriebene Zeitroman „Kleiner Mann – was nun?“ wurde 2016 erstmals ungekürzt veröffentlicht, umfasst 484 Seiten und ist zum Preis von 22,95 Euro im „Aufbau-Verlag“ zu erwerben.

Die Geschichte des Johannes Pinnebergs und seiner Frau Emma Mörschel, genannt Lämmchen, behandelt das Leben einer jungen Familie, welche unter den Folgen der Weltwirtschaftskrise und den gesellschaftlichen Gegebenheiten zur Zeit der Weimarer Republik leidet. Pinneberg ist in ständiger Angst um seinen Beruf und macht einen der Gesellschaft unterlegenen Eindruck, wobei Lämmchen ihr fröhliches Gemüt nie verliert. Die schmucklose Sprache, mit der die damaligen Verhältnisse mit fast dokumentarischem Charakter beschrieben werden, ist typisch für die Kunstbewegung der so genannten Neuen Sachlichkeit. Das Leben des Pinnebergs ist als repräsentativ für viele, die unter den gesellschaftlichen Bedingungen der wilden Zwanziger Jahre litten, zu ver-stehen, zu denen auch Hans Fallada selbst gehörte.
Der Autor, mit richtigem Namen Rudolf Ditzen, war starker Alkoholiker und psychisch krank, sein negatives Menschenbild beeinflusste den Verlauf des Romans immens. Wer sich also auf die Liebesgeschichte eines jungen Paares zur Zeit des Auflebens eines emanzipierten und modernen Frauenbildes eingestellt hat, wird wahrscheinlich genauso enttäuscht werden wie Pinneberg, als er von Dr. Sesam – dem Gynäkologen seines Lämmchens – erfährt, dass er Vater werden wird; Finanz- und Existenzsorgen also anstatt unbeschwerter und jugendlicher Liebe.
Es gelingt dem Autor auf eine beeindruckende Art und Weise mit Hilfe eines von vielen Parenthesen und Ellipsen geprägten Schreibstils, dieses Leben der beiden Protagonisten, aber auch die damalige Gesellschaft im Allgemeinen, sehr authentisch zu erzählen.
Es ist bemerkenswert, was dem Roman durch die Kürzung von etwa 100 Seiten genommen wurde, wenngleich die Chronologie des Romans unverändert blieb. So wird jedoch die Protagonistin Lämmchen deutlich vielschichtiger charakterisiert und ist in der ungekürzten Fassung nicht mehr als reine Sympathieträgerin zu konzipiert, sondern zeigt sich auch gezeichnet von den unzähligen Strapazen.

Aus dem Roman lässt sich viel zu den damaligen Gegebenheiten und Zuständen entnehmen, weshalb man ihn im Hinblick auf den historischen Kontext lesen sollte. Er enthält zwar auch viele unterhaltsame Stellen – beispielsweise als Pinneberg, finanziell total ausgebeutet, mit seinem kompletten Monatsgehalt eine Frisiertoilette kauft, nur um seinem Lämmchen zu imponieren. Aber trotz solcher Stellen ist der Roman in seiner Weitschweifigkeit jedoch passagenweise recht langatmig. Er ist keinesfalls als hohe Literatur anzusehen, doch eben genau diese nüchterne und schnörkellose Sprache macht seinen Reiz aus.