Der Regierungsbunker im Ahrtal

Der Regierungsbunker im Ahrtal


Der „Kalte Krieg“ zwischen Ost und West: Ein spannendes Thema, bei dem die Auseinandersetzung mit dem atomaren Wettrüsten und der damals drohenden Gefahr eines 3. Weltkriegs jedoch bis heute ein mulmiges Gefühl hervorruft. Gerade haben wir den 100. Geburtstag Willy Brandts gefeiert, dessen „neue Ostpolitik“ Anfang der 1970er-Jahre als Ausdruck der sich zu der Zeit herausbildenden internationalen Entspannungspolitik angesehen werden kann. Dass diese internationale Entspannung nur von relativ kurzer Dauer sein sollte, konnte damals niemand wissen. Nichtsdestotrotz versuchte die Regierung in Bonn auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein. Diese Vorbereitung beinhaltete auch ein Bunkerbauprogramm, das teils schon in den 50er-Jahren anlief: Der Regierungsbunker im Ahrtal war dabei das geheimste Bauwerk in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland.

Mit gleich drei Oberstufen-Geschichtskursen (Frau Wiesel, Herr Waeger, Herr Angenfort) fuhren wir nach Ahrweiler in Rheinland-Pfalz und besuchten die heutige „Dokumentationsstätte Regierungsbunker“, die erst seit 2008 als Museum zugänglich ist. Nach der Anreise per Bahn mit wunderschönem Ausblick auf das malerische Siebengebirge und einem anschließenden kurzen Fußmarsch erwartete uns eine interessante als auch unterhaltsame Führung durch Mitglieder des ansässigen Heimatvereins, der die Dokumentationsstätte betreibt. Das beklemmende Gefühl, das einen schon kurz nach dem Betreten des Bunkers überkommt, als auch der sehr lebendige Eindruck, den man von einer bereits halb vergessenen Zeit erhält, lässt sich nur schwer beschreiben. Eine uneingeschränkte Empfehlung für einen eigenen Besuch, der mit vielen Überraschungen aufwartet, sei hiermit ausgesprochen.

 (J. Angenfort)

Im Folgenden berichten zwei Schülerinnen darüber, was sie bei ihrem Besuch über den Bunker erfahren und herausgefunden haben. Im Anhang finden sich dann einige Impressionen.


 

Wissenswertes zum Bunker

 „Bei unserer Exkursion mit dem Geschichtszusatzkurs zum Regierungsbunker in Bad Neuenahr/Ahrweiler am 23.01.2014 haben wir folgende Informationen gesammelt:

Der Bunker (Ausweichsitz der Verfassungsorgane des Bundes im Krisen- und Verteidigungsfall zur Wahrung von deren Funktionstüchtigkeit), kurz AdVB, ist eine 17,3 km lange Bunkeranlage und 25 km südlich von Bonn im Tal der Ahr zwischen Ahrweiler und Dernau. Als unterirdische Führungsanlage sollte sie im Kriegsfall als Ausweichsitz der deutschen Bundesregierung dienen. Nach Ende des Kalten Krieges wurde die Anlage aus Kostengründen stillgelegt und die Einrichtung der verzweigten Stollenanlage größtenteils abgebaut.

Der Bunker entstand unter großer Geheimhaltung in den Jahren 1960 bis 1972 in einem Anfang des 20. Jahrhunderts gebauten Eisenbahntunnel. Dieser wurde vorbereitend zum Ersten Weltkrieg gebaut, aber nicht mehr in Betrieb genommen. In den Jahren zwischen 1930 und 1939 wurde im ungenutzten Eisenbahntunnel eine Championzucht eingerichtet. In der Endphase des Zweiten Weltkrieges richteten sich in den Tunnelanlagen diverse Rüstungsfirmen ein, die außerhalb des Schutzes der Tunnel ein großes Konzentrationslager aufbauten, um Zwangsarbeiter unterzubringen.

In diese bereits bestehenden Tunnel wurde dann von 1960 bis 1972 der sogenannte Regierungsbunker eingebaut. Er war weitgehend autark in der Versorgung mit elektrischer Energie, Frischluft und Trinkwasser. Die Anlage selbst sollte gegen den Angriff mit atomaren Waffen sicher sein,  hätte einem solchen Angriff im Extremfall jedoch nicht standgehalten. Der mit bis zu 110 m Fels überdeckte Bunker bestand aus den durch einen Taleinschnitt getrennten Bauteilen Ost und West, die unterirdisch mit einem in 60 m Tiefe gelegenen Laufgang verbunden waren. Die Haupteingänge waren mit rollbaren MAN-Toren aus Stahl und Beton mit einem Gewicht von jeweils 25 Tonnen zu verschließen. Unter anderem wurden 897 Büro- und 936 Schlafräume eingerichtet und selbst an einen unterirdischen Friseursalon war gedacht worden.Tore und in Sekundenbruchteilen zu schließende Lüftungsdeckel an den Zuluftbauwerken konnten den Bunker hermetisch abschließen. Eine Trinkwasserversorgung aus zwei eigenen Tiefbrunnen, eigene Stromerzeuger, Luftfilter und Vorräte sowie eine Infrastruktur mit Küchen, Lazarett, Zahnarzt etc. ermöglichten einen 30 Tage langen Aufenthalt ohne Kontakt nach draußen. Damit sollte im Verteidigungsfall sichergestellt werden, dass die Bundesrepublik Deutschland auch in einem nuklear eskalierenden Krieg weiterhin regiert und die Bundeswehr geführt werden konnte. Im letzten Bauzustand, der wegen gestiegenen Platzbedarfs noch hätte erweitert werden sollen, konnte der Bunker etwa 3.000 Personen aufnehmen, die mit Ausnahme von Bundeskanzler und Bundespräsident in Mehrbettzimmern untergebracht wurden.

Im Regierungsbunker wurden im Rahmen der NATO-Übung WINTEX alle zwei Jahre Übungen abgehalten, bei denen das Personal auch bis zu 30 Tage im hermetischen Betrieb arbeitete. Man simulierte beispielsweise den Vorgang der Gesetzgebung mit einem Notparlament von 22 Mitgliedern, und auch ein übungsweise vorhandener Bundeskanzler (Bundeskanzler-Üb) sowie ein Bundespräsident fehlten nicht. Erstmals genutzt wurde der Bunker im Oktober 1966 bei der NATO-Stabsrahmenübung FALLEX66, und zum letzten Mal bei der Übung WINTEX/CIMEX im März 1989.“
(Jana Hecht und Pauline von Keitz, Q2)



 
Eine der inneren Schleusen des Bunkers.
Warnschild am Eingang.
In den langen Gängen des Bunkers bewegten sich die Mitarbeiter per Fahrrad fort.
Zwei Schüler an der Steuerzentrale des Bunkers.
Hier konnten Ansprachen an die Nation aufgenommen werden.
Der Zahnarztstuhl im Sanitätsbereich: Der Bohrer funktionierte ohne Strom per Fußpedal.
Eine typische Schlafunterkunft für Soldaten und Mitarbeiter.
Ein Büro im Bunker.
Ab diesem Punkt ist der Bunker zurückgebaut. Durch die Gitterstäbe sieht man den ursprünglichen Eisenbahntunnel.