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Director's Blog

 

Die schönsten Sonnenaufgänge gibt es am Humboldt-Gymnasium um die Zeit der Wintersonnenwende. Hier können die Schülerinnen und Schüler von den Fenstern des A-Traktes aus am 09.12.2015 um 8.22 Uhr das Schauspiel verfolgen.

 

Wer pünktlich zum Unterricht gekommen war, konnte auch diese Perspektiven bewundern.

 

Lebens-Ansichten eines Dreckhaufens

Ich bin ein Dreckhaufen. Aufgeworfen in die Welt wurde ich im Februar 2015, um einem Kanalrohr Platz zu machen. Seitdem liege ich auf einem Platz, der eigentlich seit Jahren einem Erweiterungsbau des Humboldt-Gymnasiums vorbehalten ist. Eigentlich!


Eigentlich sollte ich auch schon lange abgetragen sein. Heimgekehrt in den Schoß einer Baustoffdeponie meiner Schadstoffklasse.


Aber hier, hier beginnt das Problem. Mein Bauträger erforscht seit 4 Monaten, zu welcher Schadstoffklasse mein Körper gehört.


Und seitdem schwebe ich in der unerträglichen Ungewissheit. Bin ich gefährlich, latent  potenziell gesundheitsbelastend oder inert?


Der Schulleiter hat mich schon mehrmals schief angesehen.

Was geht dem Mann durch den Kopf. Gut – der Wind verteilt meine Bestandteile über die Innenstadt! Aber die Nachbarn brauchen keine Angst zu haben!


Feinstaub ja – nicht gut für die Lunge!  Aber Blei und Cadmium? Schwermetalle, die sie sind, bleiben die mit Sicherheit auf dem Schulhof liegen. Werden höchstens ein bisschen in Richtung Sportplatz verlagert.  Da können alle Nachbarn  ganz beruhigt sein!


Ich habe mich in den vergangenen Monaten weiterentwickelt. Schon spenden meine Hochofenschlacken Leben: Matricaria chamomilla!


Vielleicht werde ich innerschulischer Lernort! Urban gardening! Ein nachhaltiger Dreckhaufen! Geschützt! Denkmal!


Mittlerweile sind neben mir neue Dreckhaufen entstanden. Der, der der Vorgarten der Hausmeisterwohnung war, berichtet von Plänen, neue Treppenhäuser zu bauen.


Schon sehe ich Gerüstbauer!


Wird gar der Erweiterungsbau begonnen?


Ich bin ein Dreckhaufen. Ich bin mir meines Schmutzes bewusst, also bin ich. -  Aber werde ich auch sein – kontemplativ meditierend im Angesicht des Denkmals, dessen Peripherie ich ziere? Oder wird mich die Tatkraft des Schulträgers ins Amorphe verbannen? Überschattet von Folien, überschüttet von wesenlosem anderem Dreck, der Freiheit beraubt!