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Gratulation: Ella-Sophie Lück gewinnt landesweiten Essay-Wettbewerb

Überall regt sich Bildung und Streben (J. W. v. Goethe, „Faust I“ – Osterspaziergang)

...vielleicht nicht überall – aber hier, bei uns, am Humboldt-Gymnasium!
Mit großer Freude – und auch einem Fünkchen Stolz – gebe ich bekannt, dass Ella-Sophie Lück, Schülerin meines Deutsch-Leistungskurses der Q2, den diesjährigen landesweiten Essay-Wettbewerb Deutsch zum Thema „Welche Sprache spricht die Mode“ gewonnen hat. Gerade kommt sie von einem mehrtätigen Literaturseminar in Weimar zurück, bei dem ihr in einem Festakt der dortigen Klassik-Stiftung feierlich die Siegerurkunde überreicht wurde. Wie es ihr dabei ergangen ist, lesen Sie im folgenden Interview, nach dessen Lektüre jedem klar sein wird: Von Ella haben wir noch einiges zu erwarten!
Herzlichen Glückwunsch zu dieser bemerkenswerten Leistung!
Dr. Tanja Kurzrock

 

Ein Essay- Was ist das eigentlich?


Ein Essay ist ein Prosatext, der sich mit einem literarischen oder/und einem wissenschaftlichen Thema oder einer Fragestellung auseinandersetzt. Der Verfasser bestimmt hierbei den Grad der wissenschaftlichen oder persönlichen Note. Ein Essay kann sowohl Denkanstöße als auch Argumente beinhalten.


Bei dem Wettbewerb gab es drei verschiedene Kategorien bzw. Themen, zu denen ein Essay zu schreiben war. Welche Möglichkeiten eröffnen diese?

Gerade wenn es darum geht, Interesse für einen solchen Wettbewerb zu wecken, sollte die Spannbreite der Themenbereiche, zumindest meiner Meinung nach, so ergiebig sein, dass möglichst viele ermutigt werden, daran teilzunehmen. Besonders Essays laden dazu ein, aufzuschreiben, was man mit einem bestimmten Thema assoziiert. Sieht man also ein ansprechendes Thema oder liest man eine ansprechende Frage, fällt es viel leichter, einen Essay mit ganz persönlicher Note zu verfassen. Hierbei dreht es sich nicht darum, möglichst wissenschaftlich fundiert zu argumentieren oder möglichst viel zu schreiben – im Gegenteil: Essays laden dazu ein, persönliche Gedanken festzuhalten, zu notieren und später auszuführen. Das Produkt des Wettbewerbs, also die unterschiedlichen Essays einer Kategorie, die einander nicht ähneln und dank der verschiedenen Assoziationen in ihrem Schreibstil und Thema variieren, regen wiederum den Leser oder die Leserin zu einer Auseinandersetzung mit dem Thema und der Reflexion der eigenen Meinung an.

Teil der Fahrt war auch eine Preisverleihung. Seid ihr nicht alle, die ihr mitfahren durftet, Gewinner und was war so bedeutsam an dieser?

Alle, die wir nach Weimar eingeladen wurden, sind Gewinner. Wir waren also zehn Gewinner – wenn auch in unterschiedlichen Kategorien. Die Beteiligung bezogen auf die Themen war unterschiedlich. In der ersten Kategorie waren es beispielsweise fünf Gewinner, während es in meiner nur zwei (mich eingeschlossen) waren. Bei der Preisverleihung wurde jeder der zehn Teilnehmer zu seinem Erfolg beglückwünscht. Erst im Anschluss, nachdem jeder einen Auszug seines Essays vorgetragen und auch hierfür Applaus bekommen hatte, wurde der/die Gewinner/in jeder Kategorie auserkoren und mit einer Geldsumme belohnt.

Mein erster Gedanke, als mein Name für den Gewinn meiner Kategorie aufgerufen wurde, war in etwa: „Gib dem Herrn auf jeden Fall zuerst die Hand, bevor du den Briefumschlag entgegennimmst!“ und „Fall bloß nicht über das Podest!“ Außerdem ging mir durch den Kopf: „Jeder der Teilnehmer hätte diese Belohnung ausgesprochen verdient“, da ich alle vorgetragenen Ausschnitte aus den Essays sehr gut fand. Am ganzen Körper zitternd bin ich also ans Podest gestapft und habe wie in Trance meinen Glückwunsch und das Preisgeld entgegengenommen. Ich glaube, das Schönste an der ganzen Preisverleihung war, wie sehr sich die anderen für einen gefreut haben. Wir haben uns alle gegenseitig sehr mitfühlend unterstützt und uns bemüht, uns gegenseitig vor dem Vortragen des eigenen Essays zu beruhigen.

Woher kam die Inspiration für deinen Essay? Und: Ging es den anderen ähnlich?

Die Inspiration für meinen Essay kam an einem ruhigen Sonntag, an dem (und das muss ich der Fairness halber erwähnen) meine jüngere Schwester meine Mutter fragte, was Bangladesch sei, und meine Mutter antwortete, das sei dort, wo die Kleidung an Bäumen wachse. Dieser Satz hat mich irgendwie sofort auf den Geschmack gebracht, etwas zu dem Thema zu schreiben. Als mir dann der vor einigen Wochen angekündigte Essay-Wettbewerb in den Kopf kam, habe ich beschlossen, es einfach mal zu versuchen. Dieses „Versuchen“ hat mir nämlich jeglichen Druck genommen und es mir ermöglicht, einfach meine Assoziationen zu dem Thema der dritten Kategorie des Wettbewerbes zu notieren und – wie bereits erwähnt – anschließend auszuführen. Der erste Entwurf ging dann an meine Deutsch-LK-Lehrerin, die mir geraten hat, meinen Entwurf noch etwas auszuführen, und sich sichtlich über meine Teilnahme gefreut hat.

Den anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmern ging es, zumindest nach dem, was ich gehört habe, ähnlich. Ihr Interesse wurde von einer Kategorie geweckt und hat in den meisten Fällen ein „Herunterschreiben“ der eigenen Gedanken ermöglicht. Wirklich davon ausgegangen, dass der eigene Essay Erfolg haben könnte, ist hierbei – glaube ich – niemand.   

Wie sehr stand bei der Fahrt und der Preisverleihung der Inhalt der jeweiligen Essays im Vordergrund – und wie sehr das Menschliche?

Ich glaube, dass keines von Beidem unbedingt im Vordergrund stand. Vielmehr würde ich sagen, dass es um die Weiterbildung und Förderung der eigenen Fähigkeiten ging. Der Inhalt des Essays wurde vor der Preisverleihung ja nur angerissen, wobei man hierzu sagen muss, dass jeder der Teilnehmer ein Heft mit den vollständigen Essays im Anschluss erhalten hat. Die eigenen Beweggründe oder Interessen standen hierbei auch nicht unbedingt im Vordergrund. Dieser Sachverhalt ist aber nicht zu bemängeln, vielmehr eine Option, die von der Stiftung und den Organisatoren nicht präferiert wurde.

Hattest du auch außerhalb des Programms zu den anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmern Kontakt und konnte/kann dieser halten?

Während der Fahrt hatten wir alle untereinander Kontakt, besonders gemeinsame Essenszeiten waren hierbei von Vorteil und haben Raum für ein gewisses „Auftauen“ ermöglicht, da wir zunächst doch alle sehr zurückhaltend waren. Kontakt hatte ich zu Einzelnen und habe ihn jetzt, nach der Fahrt, auch noch. Ich denke, dass gerade unser gemeinsames Interesse am Schreiben von Anfang an eine große Hilfe für die Kontaktaufnahme und die Atmosphäre im Gesamten war – und das, obwohl wir alle grundverschieden sind.

Was nimmst du – bezogen auf die Weimar-Fahrt – für dich persönlich mit? Was wird dir am meisten in Erinnerung bleiben?

Ich glaube, am meisten hat mich das Schreiben einer Glosse im Schreibworkshop und der Erfolg meines Essays bewegt. Noch in Weimar selbst bin ich auf den Geschmack gekommen, mich mehr mit Literatur allgemein zu beschäftigen. Damit meine ich, häufiger in Bücherläden zu stöbern, auch mal den Blick in ältere Werke zu werfen und ganz besonders weiterhin (auch wenn „nur“ für mich) zu schreiben. Die ganz persönlichen Texte der anderen Teilnehmer zu lesen, hat mich die Bedeutung und Wichtigkeit der persönlichen Gedanken noch einmal wertschätzen lassen. Es ist meiner Meinung nach wundervoll, in die Gedankenwelt eines anderen einzutauchen und im „schlimmsten“ Fall, selbst noch etwas dabei zu lernen.

(Fragen: Emma Wittekind, Antworten: Ella-Sophie Lück, beide Q2)