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Änderungen vorbehalten

Rezension zu "A Midsummer Night's Dream" im Globe-Theater

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erleben. Doch damit hatten wir nicht gerechnet!

Auf der gemeinsamen Studienfahrt meines Deutsch-Leistungskurses und des Englisch-Leistungskurses von Frau Gressard nach Südengland vor den Herbstferien haben wir einen unvergesslichen Nachmittag im Globe-Theatre in London verbracht. Nach dem Besuch der Inszenierung von „A Midsummer Night’s Dream“ dachten wir zeitweise selber, wir träumten: Denn wir sahen zwar keinen Mann im Mond, aber wir glaubten, den Mann als Mond als einen der unseren zu erkennen! Konnte das sein? Oder wurden auch unsere Sinne verzaubert? Konnte einer von uns mit dem minutenlangen Skandieren seines Vornamens vom ganzen Publikum des ehrwürdigen Globe-Theatre gefeiert werden?

 

Aber lesen Sie selbst – den aktuellen Text in der Reihe „Interessante und anregende Rezensionen aus dem Deutsch-Leistungskurs“ – und sehen Sie sich das Foto auf jeden Fall genauer an!
Viel Spaß!
Dr. Tanja Kurzrock


Rezension zu „A Midsummer Night´s Dream“
von Luzie Berghaus und Lina Weckenbrock

 


„A Midsummer Night’s Dream“ („Ein Sommernachtstraum“) ist eine Komödie, die vermutlich 1595 oder 1596 von William Shakespeare geschrieben und vor 1598 erstmals aufgeführt wurde.
Das Stück handelt von nicht erwiderter Liebe, der Rivalität der einzelnen Figuren und einem großen Gefühlschaos, verursacht durch einen Liebestrank, und spielt im antiken Athen und einem angrenzenden Wald.
Es beginnt mit den Hochzeitsvorbereitungen von Theseus, dem König Athens, der die Amazonen-Königin Hippolyta gegen ihren Willen zur Frau nehmen möchte. Zeitgleich bittet Egeus, ein wohlhabender Athener, seine Tochter Hermia, ihrem Geliebten Lysander zu entsagen, da sie Demetrius, einem anderen Höfling, versprochen wurde. Daraufhin fliehen Hermia und Lysander in den Wald, dicht gefolgt von Demetrius, der Hermia liebt und wiederum von Helena verfolgt wird, die Gefühle für ihn hegt.
In diesem Wald lebt der Feenkönig Oberon mit seiner Gattin Titania. Auch dieses Paar hat ein schwieriges Verhältnis zueinander: Oberon, der darum weiß, beschließt Helena zu helfen, indem er seinen Diener Puck damit beauftragt, Demetrius einen Liebestrank zu verabreichen. Dieser soll in Demetrius Gefühle für Helena erwecken. Puck verabreicht allerdings fälschlicherweise Lysander den Liebestrank, der als Resultat Helena liebt anstelle von Hermia. Auch Demetrius wird ein Trank verabreicht, dieser liebt nun auch Helena anstatt Hermia. Zudem wird Oberons Gattin Titania der Trank eingeflößt, die sich daraufhin in einen Tischler verliebt, der durch Zauberei einen Eselskopf trägt – dies alles gemäß der Befehle Oberons, der seiner Frau damit einen Denkzettel verpassen will. Das führt zu einigen Verwicklungen, Missverständnissen und Konflikten, bis Oberon erneut eingreift und mithilfe des Tranks gezielt Ordnung schafft.
Unterbrochen wird dies immer wieder durch kurze Szenen, in denen sechs Athener Handwerker im Wald das Stück „Pyramus und Thisbe“ zu Ehren der Hochzeitsfeier von Theseus und Hippolyta einüben. Das Stück endet schließlich mit einer dreifachen Hochzeit: Helena und Demetrius, Hermia und Lysander und Hippolyta und Theseus vermählen sich. Und auch Oberon versöhnt sich wieder mit Titania.

 

Da es sich um einen dem originalen Globe-Theatre aus dem Jahr 1599 nachempfundenen Bau handelt, standen wir am 9. Oktober vor einer Bühne unter freiem Himmel und gingen davon aus, dass es sich auch bei dem Theaterstück um eine eher originalgetreue Umsetzung handeln würde. Doch schnell wurde uns klar, dass wir eine sehr moderne, eher untypische und überraschende Inszenierung des Werkes sehen durften, obwohl größtenteils der Originaltext von Shakespeare beibehalten wurde.
Vor Beginn des eigentlichen Stückes wurde eine Pinata von Kindern aus dem Publikum zerschlagen, die dabei von weiß- und neonfarben gekleideten Musikern begleitet und angefeuert wurden. Dadurch entstand Vorfreude und Neugierde auf das Folgende und unsere volle Aufmerksamkeit wurde geweckt. Die nächste Überraschung folgte direkt in der ersten Szene, in der die Amazonen-Königin aus einer Mülltonne kletterte. Anschließend bahnten sich die restlichen Schauspieler, die im Gegensatz zu der bunt und auffällig gekleideten Königin in High Heels sehr schlicht (in schwarz-weißer Kleidung) auftraten, den Weg durch das stehende Publikum zur Bühne. Die übrigen Charaktere trugen bunte, auffällige und moderne Kostüme. Das Bühnenbild war insgesamt zwar schlicht, aber es gab dennoch einige bunte Details, die zu der gesamten Atmosphäre sowie zu den farbenfrohen Kostümen passten.
Ebenso unerwartet und mitreißend waren die gelegentlichen Tanz- und Gesangseinlagen mit Liedern moderner und bekannter Künstler wie Queen oder A-Ha (Intertextualität), die das Stück abwechslungsreich machten und ein gedankliches Abschweifen von der Handlung verhinderten. Zum Erhalt der Aufmerksamkeit trugen ebenfalls die Zwischenkommentare der Schauspieler selbst bei, die dazu kurzzeitig aus ihrer Rolle traten und eine kommentierende Perspektive einnahmen. Diese waren zum Teil witzig, wie zum Beispiel: „Children, look away“ oder „That was really hot, wasn`t it?“ bei schlüpfrigen Momenten, hatten aber auch erklärende Funktion, wie z.B. der Kommentar: „I am invisible“. Durch diese Kommentare, aber auch durch die ausladende, witzige, erklärende und manchmal übertriebene Mimik und Gestik der Schauspielerinnen und Schauspieler blieb die Geschichte interessant, zugänglich und unterhaltsam. Außerdem waren sie besonders für uns deutsche Schülerinnen und Schüler sehr hilfreich zum Verständnis des zuweilen komplizierten, altenglischen Textes.
Die Selbstironie und der zeitweilig absichtliche Verlust der Ernsthaftigkeit waren auffallend und gaben dem Stück Lebendigkeit. Visuelle Symbole wurden verwendet, um dem Zuschauer den Handlungsablauf näherzubringen und verständlicher zu machen, wie z.B. der Liebestrank, der in Form von Glitzer in den Gesichtern der Verzauberten dargestellt wurde.  
Viele der Schauspielerinnen und Schauspieler übernahmen zwei Rollen, zum Beispiel wurde Puck, der Diener Oberons, von fast allen Schauspielern mal gespielt, teilweise gab es auch Szenen, in denen es mehrere Pucks gab, stets gekennzeichnet durch das in Neonbuchstaben geschriebene Wort „PUCK“ auf den T-Shirts.
Das besondere und überraschende Highlight des Theaterstücks für uns war allerdings, dass einer unser Lehrer, Herr Scheider-Musshoff, mehrmals die Bühne betrat und so Teil des Theaterstücks wurde. Dabei war unsere absolute Lieblingsszene mit ihm die Schlussszene, in der die dreifache Hochzeit gefeiert wurde: Das Publikum und die Schauspielerinnen und Schauspieler sangen und unser Lehrer saß in der Mitte der Bühne auf einem Fahrrad mit einem Helm auf dem Kopf, der einer goldenen Diskokugel ähnelte, und trieb mit seinem Strampeln die Musikanlage an. Dies gab dem ganzen Stück, zumindest für uns Schülerinnen und Schüler vom Humboldt-Gymnasium, noch etwas ganz Besonderes und Unvergessliches.

 

Zusammenfassend war dieses Stück eine sehr gelungene Umsetzung der Komödie „A Midsummer Night´s Dream“, da die im ersten Moment paradoxe Zusammensetzung aus altenglischer Sprache und modernster Umsetzung gut gelang und dem Stück einen besonderen und bemerkenswerten Charakter verlieh.
Sehr beeindruckend war außerdem, dass der altenglische, komplizierte und teilweise – zumindest für uns – unverständliche Text durch Gestik, Mimik, Kostüme, Lieder, Kommentare sowie Tänze interessant, verständlich und lustig gestaltet wurde, sodass es Spaß gemacht hat, sich das Stück anzusehen, und wir die vom Stehen schmerzenden Beine erfolgreich ignorieren konnten.