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Änderungen vorbehalten

Geschichte

WDR AR App: Virtuelle Zeitzeuginnen im Klassenzimmer

Im Rahmen der Beschäftigung mit dem Zweiten Weltkrieg im Geschichtsunterricht der Klasse 9 war am 18. Juni ein Team des Westdeutschen Rundfunks zu Gast am Humboldt-Gymnasium. In drei Klassen wurde eine App vorgestellt, die Zeitzeuginnen virtuell ins Klassenzimmer setzt.

Die Schülerin Emma Korschinsky (9f) situiert das Projekt in der Unterrichtsreihe und diskutiert Chancen und Herausforderungen für den Geschichtsunterricht.

(K. Hermann)

WDR AR - Ein Erfahrungsbericht

 

Die App WDR AR ist eine der neusten Entwicklungen des WDRs. Sie bietet Einblick in die Jahre 1933 bis 1945 mit der Hilfe von Zeitzeugen und basiert auf „Augmented Reality“, was bedeutet, dass sie Projektionen von den besagten Zeitzeugen oder von Animationen in den jeweiligen Standort setzen kann. Die Zeitzeugen berichten dabei überwiegend von ihren Erfahrungen aus den Zeiten des „Dritten Reiches“. Das besondere Projekt, welches mit uns im Unterricht behandelt wurde, beinhaltet Geschichten über die Kindheit von drei Zeitzeuginnen aus jeweils unterschiedlichen Städten (Köln, London, Leningrad).

Dieses Projekt diente im Fach Geschichte hauptsächlich als ein Abschluss, wenn nicht sogar Höhepunkt einer Unterrichtsreihe. Im Rahmen des Unterrichts im zweiten Halbjahr in der neunten Stufe haben wir Schülerinnen und Schüler  bereits zuvor die einzelnen Stationen des Zweiten Weltkrieges erarbeitet, angefangen mit der Zeit nach dem 1.Weltkrieg und der Unzufriedenheit der Menschen, sowie dem Weg bzw. Aufstieg der NSDAP, weiter zu den „Programmpunkten“ von Hitlers Herrschaft; über die Kindheit im Nationalismus und die Propaganda des eben genannten, bis zur „Euthanasie“ (die Tötung von behinderten oder sonstig „eingeschränkten“ Menschen) und auch der Pogromnacht. Danach haben wir uns zudem angesehen, welche Außenpolitik Hitler geführt hat - und welcher die Alliierten nachgegangen sind. Dabei ist natürlich auch der Begriff „Appeasementpolitik“ gefallen. Gegen Ende hin haben wir uns noch mit der Abklärung von einigen Fragen beschäftigt, wie unter anderem was genau eigentlich der Holocaust war und wie viel die Deutschen von dem Allem wussten, sowie auch, ob man der Wehrmacht eine weiße Weste zusprechen darf und ob die Kapitulation Deutschlands eine Niederlage oder eine Befreiung war.

Als wir die Lösungen zu all diesen Themen erarbeitet hatten, kam das obige erwähnte Projekt zum Einsatz. Ausgewählte Vertreterinnen des WDRs und dieser App kamen zu uns in den Unterricht vorbei und wir durften die App auch ausprobieren. Dies ging so: verschiedenen Gruppen wurden unterschiedliche Zeitzeuginnen zugeteilt, die man sich mithilfe eben dieser der App ins Klassenzimmer holen konnte, um ihre Geschichten vernehmen zu können. Dazu gab es außerdem zunächst ein Arbeitsblatt, auf welchem wir die wichtigsten Informationen festhalten konnten und sollten. Dann gab es noch ein Weiteres mit Informationen und zusätzlichen Bildern über die Gesamtsituation der Stadt. Beendet wurde dieser Arbeitsauftrag mit Präsentationen über das Erlernte, so dass alle auf demselben Stand sein würden.

Wenn man nun mit einer Auswertung beginnt, so kann man festhalten, dass diese App viele Chancen bietet, aber auch Herausforderungen mit sich bringt. Beispielsweise müssen die Schüler genug emotionale Reife aufweisen können, damit so ein ernstes Thema durch die Projektionen nicht zu einem belanglosen Spiel wird. Des Weiteren ist es wichtig, sich im Klaren darüber zu sein, dass dieser Einblick in die Geschichte überwiegend emotional geprägt ist und nicht immer auf 100% richtigen Fakten basiert. Da bei der App aber zusätzlich noch Biografien zu den Frauen vorliegen, sowie die bereits erwähnten Sachtexte zu der Stadt, bekommt man immer noch eine Portion Sachlichkeit geliefert.

Andererseits könnte man aber auch genau die Tatsache, dass man eher einen emotionalen Eindruck bekommt, als enormen Vorteil betrachten, denn so etwas können Sachtexte nicht vermitteln. Und nur durch diese Emotionalität und indem man sieht, wie traumatisiert die Frauen immer noch sind, begreift man vielleicht erst richtig, welchen Ausmaß ein Krieg hat. Dann ist es nicht mehr nur etwas, was irgendwann mal in unserer Geschichte passiert ist, sondern auf einmal wird es real, denn man hat die Menschen ja quasi direkt vor Augen und kann ihren Schmerz und ihre Angst spüren. Und selbst wenn die Fakten sich manchmal durch die starken Gefühle leicht verändert haben, so sind die Gefühle noch immer die Gleichen und von ihnen zu erfahren ist mindestens genauso wichtig, wie alle Fakten zu kennen. Denn wenn man nicht wirklich wüsste oder eher nachvollziehen könnte, welche Folgen ein Krieg oder Folter usw. auch für die Psyche des Menschen hat, dann wäre es einem vielleicht auch gar nicht mehr so wichtig, so etwas zu verhindern. Denn man hätte dieses Leiden ja noch nie richtig gesehen. 

Abschließend bin ich deshalb der Meinung, dass die Chancen dieser App die Herausforderungen überwiegen und fände es sogar empfehlenswert, solche Erfahrungen zusätzlich zum normalen Stoff in den Unterricht mit einzubauen, da es ganz neue Einblicke mit sich bringt. 

Grundkurs Geschichte Q2 besucht Erzählcafé für NS-Verfolgte

Der Bundesverband Information & Beratung für NS-Verfolgte e.V. bietet in Deutschland Erzähl- und Begegnungscafés an. Das Angebot richtet sich an alle Opfer des Nationalsozialismus unabhängig von ihrem Verfolgungshintergrund. Mehrmals im Jahr berichten Überlebende im Erzählcafé vor Schulklassen oder Jugendgruppen über ihr Verfolgungsschicksal, um die politische und geschichtliche Aufklärung zwischen den Generationen zu fördern. Am 03.09.2015 nahm der Geschichtsgrundkurs Q2 von Frau Dr. Rosch an solch einem Treffen teil.

Bei diesem Treffen im Erzählcafé hörten wird die ergreifende Lebensgeschichte von Leonid Fish. Er lebte bis 1939 in Auschwitz bis die Wehrmacht anfing die Stadt zu bombardieren. Daraufhin floh seine Familie in Richtung Krakau und wenig später nach Lwow. Sein Vater und seine ältere Schwester reisten nach Donbass (Donezbecken), wo Arbeitskräftemangel herrschte. Leonid Fish und der Rest seiner Familie folgten ihnen später. Dort lernte Leonid Fish Russisch und machte eine Ausbildung als Dreher. Nach dem Überfall der Wehrmacht auf die Sowjetunion flüchtete die Familie erneut. Dieses Mal nach Usbekistan. 1942 meldete Leonid Fish sich freiwillig bei der Roten Armee, danach kämpfte er in fast allen großen Schlachten des Zweiten Weltkriegs. Nachdem das Dritte Reich zerschlagen worden war, kehrte Leonid Fish zurück nach Usbekistan und heiratete dort wenig später seine Frau. Im Jahr 2000 siedelte er nach Köln über, wo er bis heute lebt.
Auch seine beiden Söhne wanderten nach Deutschland aus.

Nach seiner Erzählung gab es noch die Möglichkeit Leonid Fish einige Sachen zu fragen und Unklarheiten zu klären. Außerdem sang er ein jiddisches Lied. Andere Zeitzeugen, die mit uns an den Tischen saßen, haben uns auch an ihrer Geschichte teilhaben lassen. Mehrere ehrenamtliche Helfer unterstützten den gegenseitigen Austausch. Der persönliche Kontakt mit den Betroffenen der NS-Verfolgung lässt alles Gelernte erst wirklicher erscheinen. Vorher konnte man sich das Leid dieser Menschen gar nicht richtig vorstellen.

Deswegen möchten wir uns bei allen Teilnehmern, Unterstützern und ehrenamtlichen Helfern bedanken. Unser besonderer Dank geht an Herrn Leonid Fish, der bei diesem Treffen seine Lebensgeschichte tapfer mit uns geteilt hat.
(Schülerbeitrag aus dem GK – ROS)