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Rezension: „Macht und Ohnmacht bei Heinrich von Kleist“ - Vortrag am Humboldt Gymnasium 29.03.2019

09.04.2019

Autorin: Felicia Lueg, aus dem Q2 LK D (Snm)

Unter dem Titel: „Macht und Ohnmacht bei Heinrich von Kleist“ hielt Dr. Jürgen Nelles, Privatdozent der Universität Bonn, am 29. März 2019 einen Vortrag für die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe Q2 über Heinrich von Kleists Leben und Werk. Der Vortrag sollte im Hinblick auf das bevorstehende Abitur neue Denkanstöße und Deutungsansätze im Bezug zu Heinrich von Kleists Werken geben.
Im ersten Teil seines Vortrages ging der Redner auf das Leben von Heinrich von Kleist ein.
Dr. Nelles hob vor allem Kleists frühe Berührungspunkte mit dem Militär und dem Krieg hervor, aber auch seine Rastlosigkeit. Laut Dr. Nelles genügte Kleist das Wissen aus Büchern nicht, weswegen er diverse Studiengänge früh abbrach und bereits in jungen Jahren eine Lebenskrise hatte. Anhand eines Zitates von Heinrich von Kleist wurde diese erläutert. Zu den Reisen, die Kleist aufgrund seiner Rastlosigkeit unternahm, gab Dr. Nelles keine genaueren Informationen.
Der spätere Suizid Kleists mit Henriette Vogel (Kleist erschoss sie, Henriette Vogel war totkrank), wurde zwar teils durch die Krise und Rastlosigkeit Kleists erläutert, jedoch wurden beispielsweise keine Hintergrundinformationen zur Beziehung zwischen Henriette Vogel und Heinrich von Kleist gegeben, außer, dass Henriette Vogel  an Krebs erkrankt war. Fast alle biografischen Aspekte, die Dr. Nelles ansprach, waren den Schüler/innen der Q2 aus dem Unterricht bekannt und folglich konnten sie aus diesen keine neuen Informationen ziehen.
Anschließend ging er auf die Aspekte der Gewalt und Gerechtigkeit in Kleists Werk „Michael Kohlhaas“ ein, indem er zuerst den Verlauf der Geschichte wiedergab. Da die Novelle nicht im Unterricht besprochen wurde, war es bei der Zusammenfassung teils schwierig, alle Informationen richtig aufzunehmen, insgesamt konnte man jedoch die verschiedenen Aspekte wie die Kritik am Rechtssystem und die eigene Rechtsschaffung von Michael Kohlhaas, aufgrund des Unrechts, das er in der Novelle erfährt, gut nachvollziehen.
Im nächsten Teil der Präsentation ging Dr. Jürgen Nelles auf die „Marquise von O.“ und die Deutungsaspekte der Macht und Ohnmacht ein. Wie bei „Michael Kohlhaas“ erläuterte Dr. Nelles zuerst den Verlauf der Handlung und ging anschließend vor allem auf den berühmten Gedankenstrich in der Novelle ein, mit  dem die Vergewaltigung der Marquise angedeutet wird. Außerdem erklärte er die Bedeutung  äußerer Einflüsse auf die Figuren. Als Beispiel nannte er den Einfluss des Krieges auf den Grafen von F. und seine damit eher erklärbaren Handlungen wie die Vergewaltigung der Marquise. Da den Schüler/innen das Werk bereits bekannt war, war es auch hier recht schwierig, der ausführlichen Erläuterung genau zu folgen, ohne mit den Gedanken abzuschweifen. Wie bei Kleists Biografie haben die Schüler/innen die meisten Aspekte und Deutungsansätze bereits im Unterricht besprochen und konnten demnach keine neuen Schlüsse ziehen.
Im letzten Teil seines Vortrages ging Dr. Nelles auf die Aktualität der Werke Kleists ein und verdeutlichte vor allem den Identitätsverlust der Menschen und die Kritik an den „Einrichtungen der Welt“.
Da der Vortrag in vier Teile gegliedert war, konnte man der Struktur des Vortrages zwar gut folgen, jedoch wurden die verschiedenen Themen nur knapp miteinander verknüpft. Dr. Nelles erklärte zwar, dass Kleists Rastlosigkeit und Kritik an den „Einrichtungen dieser Welt“ in seinen Werken zum Vorschein kommen, jedoch verknüpfte er die damalige Situation Kleists und die Lage der Gesellschaft nicht wirklich mit den Werken.
Durch die Bilder, welche im Hintergrund gezeigt wurden, konnte man dem Vortrag zusätzlich gut folgen.
Insgesamt konnten Zuhörer, die sich nicht mit Heinrich von Kleists Leben und Werken auskennen, zentrale Informationen zu den verschiedenen Handlungssträngen und Deutungsaspekten aus dem Vortrag gewinnen und dadurch gute Denkanstöße bekommen. Für diejenigen, die jedoch Kleists Leben und Werke im Unterricht des LK behandelt haben, bot der Vortrag keine wirklich neuen Informationen und Denkanstöße, die er eigentlich hatte bieten sollen, sondern war eine Zusammenfassung und Auffrischung der im Unterricht behandelten Themen. Nur anhand der Informationen zu „Michael Kohlhaas“ konnte man neue Denkanstöße zum Thema Gerechtigkeit in Kleists Werken finden.
Nach dem ungefähr 45-minütigen Vortrag hatten die Schüler/innen die Möglichkeit Fragen zu stellen. Dr. Nelles beantwortete alle Fragen so ausführlich wie möglich und ergänzte teilweise Themen seines Vortrages.