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Ausflug zur ehemaligen NS-Ordensburg Vogelsang in der Eifel

17.12.2019

Die Schülerinnen und Schüler des Leistungskurses Geschichte (Frau Bien) und der beiden Grundkurse der Q2 (Herr Schneider-Musshoff und Herr Stöcker) nutzten den Tag der offenen Tür am Humboldt-Gymnasium als Studientag, um die ehemalige NS-Ordensburg Vogelsang in der Eifel zu besuchen Der folgende Bericht wurde von Philippa Pauli, Luna Esteban Loos und Antonia Fabricius verfasst, die Fotos wurden von York Nikolas Friedrich aufgenommen.

Barbara Bien

Erfahrungsbericht Burg Vogelsang

Am 23.11.2019 besichtigten wir mit drei Geschichtskursen der Q2 (LK und zwei GK) die NS-Ordensburg Vogelsang in der Eifel. Mitarbeiter des Museums führten uns in zwei Gruppen über das Gelände und erzählten uns die Geschichte der Burg von ihrer Entstehung über die Nutzung bis hin zur heutigen Relevanz.

Die Burg Vogelsang gehörte zu einer von mehreren elitären Schulen zur Ausbildung von Führungskräften der Nationalsozialisten. Der Bau dieser Ausbildungsstätte begann im Jahr 1934, nachdem Adolf Hitler ein Jahr zuvor neue Schulen für Parteinachwuchs gefordert hatte.

Robert Ley, Reichsorganisationsleiter der NSDAP, verwirklichte Hitlers Auftrag. Zusammen mit Baldur von Schirach entwickelte er eine der nationalsozialistischen Ideologie angepasste Schulform. Mit den sogenannten „Ordensburgen“ sollte eine Parallele zu ritterlichen und religiösen Orden im Mittelalter hergestellt werden, um Tradition, Gemeinschaft und Elitegefühl eine hohe Priorität zu verleihen. Die Stätten sollten grenznah erbaut werden, um die Ideologie bis ins Ausland zu verbreiten. Nach diesem Prinzip wurden 14 Adolf-Hitler-Schulen im deutschen Reich eröffnet.

Die Schüler der Ausbildungsstätte Vogelsang wurden NS-Junker genannt. Diese Bezeichnung eines „jungen Edelmannes“ sollte abermals das Elite- und Traditionsgefühl der Männer bestärken. Um ein NS-Junker zu werden, musste man folgenden Voraussetzungen entsprechen: männlich, 23-30 Jahre alt und arisch. Der dafür benötigte Ariernachweis musste einen Stammbaum aufweisen, der bis zurück zum Jahr 1800 frei von jüdischen Wurzeln war. Bestenfalls war man aktives Mitglied der NSDAP. Während man sportlich und körperlich einwandfrei sein musste, waren kognitive Fähigkeiten zweitrangig; Schulbildung und soziale Herkunft spielten keine Rolle. Im Gegenteil: Zur leichteren Indoktrination setzte man sogar auf einen bildungsschwächeren Hintergrund.

Einen Platz an einer der Schulen zu bekommen, war sehr begehrt. Das lag daran, dass es für soziales Ansehen sorgte, Aufstieg ermöglichte und ein gutes Gehalt versprach.

Der mit Ley befreundete Architekt Clemens Klotz setzte die Vorstellungen für die Burg Vogelsang um. Dabei spielte er unter anderem mit Bauhauselementen, was jedoch auch zu Kritik führte. Um die Umsetzung zu realisieren, wurden Gewerkschaften enteignet, um den Bau finanziell zu „unterstützen“. Das Gelände ist terrassenförmig aufgebaut. Im Mittelpunkt des Geländes befindet sich der sogenannte „Adlerplatz“, auf welchem Versammlungen stattfanden. Hitler selbst besuchte die Burg zweimal und hielt auf dem Adlerplatz eine Rede. Der Platz befindet sich auf der höchstgelegenen Ebene. Andere Gebäude wie Gemeinschaftsräume liegen weiter unten. Der Sinn dahinter war, dass die Sicht stets nach oben gerichtet sein sollte. Dies symbolisierte das Streben nach Größe und Aufstieg. Auf der untersten Ebene befinden sich ein Sportplatz, eine Turnhalle und ein Schwimmbad, in denen das tägliche Training stattfand. In der treppenartigen Anordnung befanden sich unter anderem die Schlaftrakte, in welchen die Mitglieder, teilweise bis zu 100 Leute, auf engem Raum wohnten.

Außerdem war die „Ehrenhalle“ sehr bedeutend. Diese war an besonderen Anlässen, wie zum Beispiel an Feiertagen und Hochzeiten, die im ideologischen Sinne gefeiert wurden, der Öffentlichkeit zugänglich. Sie diente ebenfalls als Gedenkstätte an die Opfer des Hitlerputsches. Am Ende der Halle stand eine Statue, der „neue deutsche Mensch“, die das Idealbild der NS darstellte und als solche angebetet wurde. Inzwischen sollte das nationalsozialistische Gedankengut nicht nur dem politischen Aspekt entsprechen, sondern auch als Religionsersatz fungieren.

Ab 1936 begann die 6-monatige Ausbildung und 1937 der offizielle Lehrgangsbetrieb. Die Ausbildung der Junker bestand hauptsächlich aus sportlichen Aktivitäten (60%). Hinzu kamen Vorlesungen, in welchen die nationalsozialistische Ideologie gelehrt wurde. Es herrschten strenge Regeln. Zwischen den Junkern kam es durch Konkurrenzkampf und wegen nicht gegebener Privatsphäre häufig zu Konflikten. Vorgesehen war eine dreieinhalbjährige Schulung, die allerdings von niemandem abgeschlossen wurde, da wegen des Kriegsbeginns 1939 die Ausbildung abgebrochen werden musste und sämtliche NS-Junker als Soldaten eingezogen wurden. So stand die Burg während des Krieges fast leer.

Ab 1946 begann die Entnazifizierung. Englische Truppen zerstörten so gut wie alles, was  an die Nationalsozialisten erinnerte: An den Gebäuden angebrachte Hakenkreuze und Statuen des „Deutschen Mannes“ wurden zerschossen. Zeitweise überlegte man die Burg komplett abzureißen, man entschied sich jedoch dagegen und verwendete sie bis zum Jahr 2005 als Übungsplatz für belgische Truppen. Seit 2006 ist die Anlage und das dazugehörige Museum für Besucher zugänglich.

Für uns war der Tag sehr eindrucksvoll. Besonders berührt hat uns die Vorstellung diesen Ereignissen so nah zu sein. Auf demselben Boden wie Hitler und zahlreiche andere Nationalsozialisten zu stehen, löste in uns ein beklemmendes Gefühl aus. Auch zu wissen, dass die Burg, insbesondere der Sonnenwendplatz und die Ehrenhalle, heute noch als Pilgerstätte genutzt wird, ist für uns unvorstellbar. Dies zeigt, dass das Gedankengut immer noch in einigen Köpfen verankert und keineswegs nur ein Teil der Vergangenheit ist. Erst jetzt ist uns der Größenwahn der Nationalsozialisten vollständig bewusst geworden. Die pompöse Architektur der Burgen und vor allem die weiteren Ausbaupläne, die durch finanzielle und zeitliche Probleme nicht umgesetzt werden konnten, zeigen ihre Selbstüberschätzung.

Es ist wichtig, sich mit diesen Geschehnissen auseinanderzusetzen und sich des Horrors bewusst zu werden, um verhindern zu können, dass so etwas Grausames noch einmal passiert. Daher empfehlen wir jedem einen Besuch der Ordensburg Vogelsang.

Danke an die Guides, die uns das Thema sachlich, aber auch mahnend nahegebracht haben!