Exkursion des Geschichts-LK nach Bonn ins „Haus der Geschichte“

Exkursion des Geschichts-LK nach Bonn ins „Haus der Geschichte“ am 27.01.2026

Am 27.01.2026, dem Gedenktag der Befreiung von Auschwitz, unternahm der Geschichts-Leistungskurs unserer Schule eine Exkursion nach Bonn. Im Rahmen der Sonderausstellung „Nach Hitler – Die deutsche Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus“ beschäftigten sich die SchülerInnen intensiv mit verschiedenen Formen des Erinnerns und dem gesellschaftlichen Umgang mit der NS-Vergangenheit in den fast 80 Jahren seit 1945. Besonders eindrücklich waren dabei die unterschiedlichen Perspektiven, die durch Zeitzeugnisse, Medien und Ausstellungskonzepte vermittelt wurden. Welche Gedanken und Eindrücke der Ausstellungsbesuch bei den SchülerInnen hinterlassen hat, verdeutlichen die folgenden Zitate:

 

 

„Ich fand in der Sonderausstellung besonders interessant und lehrreich das anfängliche Herunterspielen und nicht Beachten und Verurteilen des Holocausts der deutschen Regierungen. Dies lässt sich beispielsweise daran sehen, dass es bis 1970 dauerte bis Willy Brandt den ersten Kniefall (in Warschau, am Ehrenmal für die Helden des Warschauer Ghettos) machte oder es lange noch SS-Kameradentreffen in deutschen Städten gab. Dies finde ich einerseits erschreckend, da ich gedacht hätte, dass nach so einem schrecklichen Verbrechen alle um Aufklärung bemüht sind und sich ihrer Schuld bewusst sind. Andererseits zeigt dies auch, dass die Entnazifizierung viele Schwachpunkte hatte und Deutschland noch von Nazis durchsetzt war.“ (Fynn)

 

„In der Ausstellung haben mich besonders die modernen Methoden der Präsentationen angesprochen, die einem die Themen auf eine besonders interessante Weise nahegebracht haben. So gab es zum Beispiel einen Ort, an dem man erraten konnte, in welche Stufe der Schuld Helfer des Nazi-Regimes von den Alliierten eingeordnet wurden. Dies funktionierte mithilfe von Informationsplatten zu den jeweiligen Personen, die man in verschiedene Löcher für die unterschiedlichen Kategorien einschieben konnte, wobei neben den Löchern ein Lämpchen grün leuchtete, wenn man richtig lag, und ein Lämpchen rot leuchtete, wenn man falsch geraten hatte. Wie oft man, trotz der detaillierten Informationen auf den Platten, falsch lag, hat mich sehr überrascht und mir gezeigt, dass unser Verständnis von der Schuld der Menschen aus der NS-Zeit sich im Laufe des letzten Jahrhunderts deutlich verändert hat.“ (Serafin)

 

„Mir hat die Ausstellung sehr gut gefallen, da sie den Umgang mit dem Nationalsozialismus in verschiedenen Zeiten aufzeigt und sich somit von anderen Ausstellungen über den Nationalsozialismus abhebt. Es geht meistens nämlich um die Zeit 1939-1945, jedoch ist meiner Meinung nach der Umgang mit dem Thema genauso wichtig.“ (Edion)

 

„An unserem Besuch in der Ausstellung „Nach Hitler“ im Haus der Geschichte in Bonn, hat mir besonders gut gefallen, wie die sehr interessant gestalteten Stände der Ausstellung die Ernsthaftigkeit des Themas auf eine ansprechende und sehr zugängliche Art vermittelt haben. Zum Beispiel gab es viele Audios zu hören, aber auch viele Filme und Texte zu sehen. Auch die Dauerausstellung in dem Museum ist sehr interessant gewesen, die originalen Artefakte waren wirklich beindruckend!“ (Moritz)

 

„An der Ausstellung im Haus der Geschichte hat mir besonders das Bild eines Künstlers gefallen, welches ein verschwommenes Bild (Gerhard Richter, Onkel Rudi, 1965) eines lächelnden Familienmitglieds in Nazi Uniform zeigt. Durch das Foto wird meiner Meinung nach der Konflikt, zwischen familiärer Verbundenheit und Liebe und der rechtmäßigen und unbedingt notwendigen Anschuldigungen wunderbar dargestellt." (Anton)

 

„Die Ausstellung zur Aufarbeitung der NS-Zeit im Haus der Geschichte in Bonn hat mich sehr beeindruckt. Besonders spannend fand ich, dass nicht nur Zahlen und Fakten gezeigt wurden, sondern viele persönliche Geschichten von Menschen, die diese Zeit erlebt haben. Dadurch wurde Geschichte viel greifbarer und emotionaler als im Schulbuch.“ (Jurij)

 

„Anhand zahlreicher Interviews, Berichte sowie weiterer Ausstellungsstücke ermöglicht die Ausstellung ,,Nach Hitler" im Haus der Geschichte einen umfassenden Einblick in die deutsche Erinnerungskultur an den Nationalsozialismus und macht diese über verschiedene Generationen hinweg nachvollziehbar. Besonders eindrucksvoll erschien mir die generationsübergreifende Forderung, die Vergangenheit ruhen zu lassen und einen Schlussstrich unter ihre Aufarbeitung zu ziehen. Ohne dieser Forderung ausdrücklich zu widersprechen, verdeutlicht die Ausstellung jedoch durch die Darstellung erstarkender rechter Strömungen, die über alle Generationen hinweg existierten und weiterhin existieren, sowie durch die unzureichende Aufarbeitung der nationalsozialistischen Verbrechen die fortwährende Notwendigkeit der Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte. Dies wird unter anderem an den erst im Jahr 2015 geleisteten Reparationszahlungen an sowjetische Kriegsgefangene deutlich, von denen zu diesem Zeitpunkt viele bereits verstorben waren. Insgesamt macht die Ausstellung klar, dass eine kontinuierliche und kritische Aufarbeitung der Vergangenheit notwendig ist, um die Zukunft verantwortungsvoll und positiv zu gestalten.“ (Hannah)

 

 

Zum Abschluss besuchte der Kurs die neu konzipierte Dauerausstellung „DU BIST TEIL DER GESCHICHTE: Deutschland nach 1945“, die nach umfassender Überarbeitung im Dezember 2025 wiedereröffnet wurde. Die Ausstellung überzeugte insbesondere durch ihre innovativen museumspädagogischen Ansätze und die aktive Einbindung der BesucherInnen. Die folgenden Zitate zeigen, wie die SchülerInnen die neue Ausstellungskonzeption wahrgenommen haben und machen zugleich deutlich, dass sich bestimmte Aspekte über die Zeit hinweg kaum verändert haben.

 

 

„Das Haus der Geschichte zeigt, dass sich Geschichte doch wiederholt. In einem alten Aufsatzheft fragt der Lehrer am Rand: „Wo ist die Berichtigung?“ Jahrzehnte später steht dieselbe Frage immer noch im Klassenraum. Manche Dinge ändern sich eben nicht.“ (Johannes und Moritz)

 

„Im Haus der Geschichte hat mich heute am meisten eine Originalaufnahme eines Klägers der Auschwitz Prozesse beeindruckt. Die Prozesse fanden rund 20 Jahre nach dem Ende des nationalsozialistischen Regimes statt, und die Augenzeugenberichte des Klägers, der selbst Gefangener in Auschwitz war, waren erschütternd zu hören. Trotzdem oder gerade deshalb fand ich den Besuch sehr interessant, da in dieser Ausstellung Informationen auf eine „Museums-untypische Art“ zur Schau gestellt wurden. Lebensgeschichten, grausame Ereignisse und Schicksale wie der Holocaust oder wie damit umgegangen ist bzw. immer noch geht, wurden einem sehr gut nahe gebracht durch Verwendung verschiedener Medien, wie Texte oder, wie gesagt, echte Tonaufnahmen aus der Zeit von 1933 bis jetzt. Abgesehen davon wurden aber auch positive Ausblicke gegeben, indem man auch auf Glücksmomente der Geschichte von Deutschland wie dem Mauerfall eingegangen ist. Ich würde auf jeden Fall noch mal ins „Haus der Geschichte“ gehen, vielleicht sogar privat, da dort einem die bedeutendsten Ereignisse (vor allem nach 1945) der Geschichte von Deutschland nahegebracht werden, seien es die unvorstellbar schrecklichen Gräueltaten der Nazis oder der befreiende Mauerfall. Jeder Mensch fast jeden Alters kann dort was lernen und wird sich vielleicht bewusster über sein Verhalten und überdenkt dies am besten." (Yuma)

 

 

Der Ausstellungsbesuch in Bonn bildete bereits die zweite Exkursion des Geschichts-Leistungskurses in diesem Halbjahr, nachdem der Kurs im Herbst bei einer Fahrradtour durch Köln die Spuren der französischen und preußischen Geschichte der Stadt erkundet hatte.